Ja, Peter Schöttel ist in keiner leichten Situation. Aber der junggebliebene 44er verströmt eine ruhige Gelassenheit, die ansteckend wirkt. Rapid ist nicht das Wichtigste und schon gar nicht das Einzige im Leben. Aber Rapid ist schon verdammt wichtig. Dessen ist sich auch unser Trainer sehr bewusst, mehr als viele andere. Und weil er das alles ebenso weiß, wie vieles andere, das in der Folge besprochen wird, kann man sich als Fan glücklich schätzen, diese besonnene, akribische und ehrgeizige Persönlichkeit bei der Mannschaft zu wissen.
Ich richte schöne Grüße von Christian Stumpf aus, den ich am Vortag interviewt habe. Sofort muss der Trainer lächeln, als er von seinem Ex-Kollegen hört. Und er analysiert mir zuliebe die Stärke der damaligen Mannschaft im Vergleich zur heutigen:
Damals wurden tolle Transfers in Verbindung mit dem vorhandenen Material gemacht! Es gab viele Typen und viel Qualität. Abseits des Rasens waren wir auch nicht immer die besten Freunde, aber am Rasen haben wir füreinander alles gegeben. Damals gab es nach dem Fast-Zusperren eine Aufbruchstimmung und schnelle Erfolge mit großer Mobilisationskraft. Viele dieser Spieler sind auch heute in wichtigen Funktionen tätig, was zeigt, wie sehr sie Fußball gelebt haben und noch immer leben. Die Einstellung haben meine Kicker alle, aber wir haben auch sehr viele introvertierte und zum Teil noch kindlich denkende Spieler. Die wissen zum Teil noch nicht, was es heißt, Profi zu sein. Und bei einem Profi rede ich von einer Karriere, die an die fünfzehn Jahre dauert, und von einem Spieler, der bis zum Schluss immer hungrig bleibt.
Eine 16-jährige Laufbahn kann Neo-Teamchef Marcel Koller vorweisen, der Peter Schöttel am Vortag besucht hatte. Dass der Schweizer den Grasshoppers Zeit seines aktiven Fußballerlebens die Treue gehalten hat, wie er selbst Rapid, bezieht die Rapid-Legende wohlwollend in ihre Ausführungen ein.
Alleine deswegen taugt er mir schon! Er hat mir als Spieler schon imponiert, weil er wirklich ein sehr guter Fußballer war. Seine Stationen als Trainer sind für mich darüber hinaus absolut herzeigenswert. Dass sich viele Zeitungen bei der Wahl früh festgelegt haben und jetzt den überraschend Bestellten kritisieren, finde ich schwach. Andererseits ist es schon so, dass wir uns von ÖFB-Seite immer unserer Trainerausbildung rühmen, um die uns angeblich fast ganz Europa beneidet. Vielleicht ist es aber auch gut, dass einer kommt, der noch nichts mit bestimmten Gruppen in diesem Land zu tun hat und völlig unvoreingenommen ist. Schauen wir einmal, was passiert. Ich wünsche ihm das Allerbeste!
Mit seinem eigenen Standing, besser gesagt: mit dem Standing Rapids in der Tabelle ist Peter Schöttel alles andere als zufrieden. „Wir haben weniger Punkte, als ich mir erhofft habe.“ Und das hat Gründe und Auswirkungen, von denen Schöttel ganz offen und ehrlich spricht. By the way: Viel Glück für die Zukunft von meiner Seite! Ich habe nämlich großes Vertrauen in die Fähigkeiten unseres Trainers...
1.
Herr Schöttel, vor dem Match bei der Admira hat alles sehr gut ausgeschaut – drei Siege in Serie haben Selbstvertrauen gebracht und optimistisch auf das Spiel in der Südstadt blicken lassen. Ein Sieg war das Ziel. Von dem Feuer, das man in einem solchen Spiel haben sollte, habe ich in der ersten Stunde aber leider nichts gesehen. Wie gibt’s das?
Feuer entsteht, indem man gemeinsam Leistung bringt, einer den anderen pusht, man gut spielt oder zumindest kompakt steht. Wir haben es leider aus mehreren Gründen nicht verstanden, das Spiel zu machen. In der Offensive ist es uns nicht gelungen, einen direkten Gegenspieler auszuspielen oder den Ball zu halten. Vorne haben wir in der ersten Stunde eine ganz schlechte Vorstellung abgeliefert. Ich hätte mir zumindest erwartet, dass wir die Konter der Admira unterbinden, aber mit unnötigen Ballverlusten haben wir ihnen leider in die Karten gespielt. Wir waren uns zu gut, taktische Fouls zu machen und haben unsere Verteidiger ganz schlecht aussehen lassen. Wir wissen ja, dass sie nicht die schnellsten sind. Deswegen brauchen wir gegen jeden Gegner ein Übergewicht und müssen aktiv nach vorne spielen. Weil wir das nicht getan haben, haben Soma und Patocka gegen Quedraogo und Hosiner naturgemäß schlecht ausgesehen. Zu allem Überdruss haben wir uns auch noch naiv verhalten und Tore bekommen, wie – ich sage das normalerweise nicht – eine Schülermannschaft. Dass wir den Ball beim zweiten Gegentor nicht gesperrt und uns auch ansonsten sehr naiv verhalten haben, das stimmt mich sehr traurig. Nachdem wir durch eine Standardsituation wieder zurück ins Spiel gekommen sind, hat man gesehen, wie die Admira wankt. Wir haben gewusst, dass wir in den letzten zwanzig, dreißig Minuten gegen die Admira unsere Vorteile haben werden, weil sie einen enormen Aufwand betreiben und ein Rückfall in den bisherigen Spielen mitzuverfolgen war. Dann kommen wir wirklich noch aufgrund unseres Willens auf 3:3 heran (lacht ungläubig) und stellen uns in der entscheidenden Situation noch einmal so naiv an, hudeln nach einem Outeinwurf, schenken den Ball überhastet her. Beim Corner haben wir unsere normale Ordnung auch nicht eingehalten und bekommen einen Elfer, der alles zunichte gemacht hat. Ich bin immer noch enttäuscht, weil wir uns nicht auf die richtige Art und Weise dagegen gestemmt haben. Manchmal muss man einfach ein taktisches Foul machen, was wir von allen Teams in dieser Liga vorgezeigt bekommen. Solange wir uns dafür zu gut sind, werden wir in diesen Schnittpartien immer Probleme bekommen.
2.
Ich und zwei Freunde haben beobachtet, dass Rapid in Ballbesitz – provokant formuliert – ein 4-1-5 spielt, sich neben den beiden Stürmern auch beide Flügel weit nach vorne orientieren, auch Steffen, sich alle dann aber eher zudecken lassen, mit dem Rücken zum Tor stehen, anstatt freie Räume zu suchen oder sich anders adäquat anzubieten. Und der „Sechser“ und die beiden Außenverteidiger müssen das Spiel dann gegen eine Übermacht an Gegnern nach vorne tragen...
Die Außenverteidiger sollen das Spiel auch aufbauen! Fünf vorne stimmt nicht, weil das – wenn es passiert – einer zuviel ist. Vier sind okay. Die Idee ist, dass wir geduldig spielen, sich zwei ständig bewegen und Räume aufmachen. Gegen Kapfenberg hat das zum Teil sehr gut geklappt. (lacht) Ich muss lachen, weil wir in der Videoanalyse gesehen haben, dass wir zwei Tore nach knapp zwanzig Ballkontakten geschossen haben und nach dem vierten Ballkontakt wurde gepfiffen. Das nehme ich zur Kenntnis, aber die Zeit ist vorbei, in der wir hauruck spielen können. Gegner wie Kapfenberg, Wacker oder auch die Admira stehen fast immer sehr massiv hinten. In solchen Spielen müssen wir Geduld haben, den Ball zirkulieren lassen und Räume öffnen. Gegen die Admira ist uns das überhaupt nicht gelungen. Noch einmal: Wenn uns unser eigenes Spiel nicht gelingt, müssen wir die offensichtlichen Stärken des Gegners besser unterbinden! Eines ist ganz klar – wir brauchen vorne Leute, die vorbeikommen, ganz klar! Weder links gegen Plassnegger noch rechts gegen den Schrott ist uns das gelungen. Unser gesamtes Mittelfeld war dem der Admira unterlegen. Hinten sieht man dann schlecht aus, wenn die ganze Mannschaft nicht funktioniert. In der ersten Hälfte war das ganz eklatant! Der Start in die zweite Hälfte hat dann besser funktioniert, aber beim nächsten Treffer haben wir geschlafen. Dass wir letztlich zurückgekommen sind, war eh toll. Bei einem 3:3 wären die Spieler trotz der schlechten Leistung die Helden gewesen. So haben wir uns alles zunichte gemacht, weil wir naiv und unkonzentriert waren. Und zwar im Kollektiv!
3.
In der letzten Saison gab es viele Rufe nach einem Aufrüttler, einen Antreiber und Motivator. Peter Pacult und Jürgen Klopp haben unabhängig voneinander, aber auch fast zeitgleich, gemeint, dass man solche Spielertypen heute nicht mehr braucht. Herr Klopp konnte mit der vollen Hose leicht stinken, aber ein Rapid-Trainer in der schon länger andauernden Situation eher nicht, oder? Für mich ist momentan Harald Pichler der einzige, der diese Anforderungen erfüllt, weswegen ich ihn persönlich auch sehr mag, auch wenn er sicher nicht der begnadedste Kicker ist...
So sehe ich das auch! Harry ist ein guter Spieler, aber er war vor allem vom ersten Training weg präsent und ist dazwischengefahren, wenn es nicht gepasst hat. Er wird uns in der Zukunft noch sehr gut tun! Burgstaller könnte von seiner Spielweise her einer sein, der seine Kollegen in einer Partie mitnehmen kann. Schade, dass er uns vom Start weg ausgefallen ist. Ansonsten haben wir sehr viele gute und teils auch sehr erfahrene Spieler, deren Stil es nicht ist, zu den Mitspielern in einer Situation wie der unseren auch einmal ungut zu sein. Speziell im letzten Match haben wir das fast überhaupt nicht gehabt. Wenn man gut spielt wie Dortmund, kann man das auffangen. Aber noch die eine oder andere Niederlage mehr, dann wird man auch dort jemanden brauchen, der Tacheles spricht. Die klassischen Führungsspieler, wie einen Effenberg, oder auch Kühbauer, wird es in Zukunft nicht mehr viele geben. Aber es stimmt trotzdem – mehr Leben, mehr Feuer, in einem Spiel, das auf der Kippe steht, würde ich mir bei uns auf dem Feld schon wünschen.
4.
Abgesehen von Ihrem Willen und auch der wegen Ausfällen und neuen Spielern entstandenen Notwendigkeit zum Ausprobieren, hatten Sie nur im Angriff ständig alle vier Stürmer parat. Einer von ihnen, Hamdi Salihi, hätte meiner Meinung nach die aktuelle Klasse, um seine Routine besser zu nützen als Soma oder Heikkinen. Warum sitzt er zumeist auf der Bank? Warum macht man ihn nicht wenigstens zu Geld?
Wir haben sogar fünf Stürmer, weil ich auch Guido dazurechne. Meistens spielen wir mit zwei Stürmern. Würde Hamdi uns alle Spiele gewinnen, wäre ich ja dumm, wenn ich ihn herausnehmen würde. Wieviele Torchancen haben wir in der ersten Hälfte in der Südstadt gehabt? (ich antworte: „Keine!“) Was sind Salihis Stärken? („Das Verwerten von Torchancen.“) Ich kann mich nur wiederholen: Hamdi ist in einer Mannschaft, die oft durchkommt, unverzichtbar, weil er die Nase für das Tor hat. So wie am Ende gegen die Admira. Er hat aber auch schon begonnen und nichts kreieren können. Das Problem ist, dass wir vier, fünf Leute im Angriff haben, die im gegenseitigen Vergleich kaum abfallen. Deswegen gehe ich sehr oft nach Trainingsleistungen, und wenn einer alles trifft, dann wird er ausprobiert. Mir ist schon klar, dass keiner von ihnen so richtig die Sicherheit bekommen kann, aber dafür habe ich einen, wahrscheinlich sogar zwei Stürmer zuviel, um zwei mehr oder weniger fix beginnen zu lassen. Man muss aber auch sagen, dass Hamdi der perfekte Joker ist. Es ist auch schön, jemanden wie ihn auf der Bank zu haben, der frisch ins Spiel kommt, wenn die Gegner müde werden. Dass er nicht zufrieden ist, ist klar. Er ist sehr introvertiert, verhält sich okay. Dass er unzufrieden ist, merkt man ihm an, aber das soll man ihm ja auch anmerken, weil sie ja alle spielen wollen sollen. Generell ist mir unser Kader mit 21 Feldspielern eigentlich zu groß. Es ist ein Übergangs-Kader, auch weil wir viele laufende Verträge aus den letzten Jahren haben. Einige Neue sind dazugekommen, die teils schwere Verletzungen gehabt haben oder gerade haben. Mir wäre es von der Kaderstruktur lieber, wenn ich vier, fünf Spieler weggeben, ein, zwei sehr gute Spieler dazuholen und den Rest mit sehr talentierten Amateuren auffüllen könnte. Es ist für die Spieler und meine Spielerführung eine schwere Situation, weil ich denjenigen, die auf der Tribüne Platz nehmen müssen, nicht einmal einen Vorwurf machen kann. Dafür, dass wir nicht international spielen, haben wir zuviele und auch zuviele gleichgeartete Spieler. Wir haben einige Positionen zu oft, dafür andere Attribute, die wir gut brauchen könnten, gar nicht besetzt.
5.
Wie behutsam bzw. streng müssen Sie mit den Spielern vor dem „Musssieg“ gegen Wr. Neustadt umgehen?
Das ist ein neues Spiel, eine neue Aufgabe. Ich gehe schon davon aus, dass wir von Beginn weg Druck machen und Torchancen kreieren, zumal wir im eigenen Stadion spielen. Und wir werden uns natürlich auf die Stärken des Gegners gut vorbereiten. Ich verstehe ja die momentan herrschende Depression nicht, auch nicht die Euphorie nach den drei Siegen. Ich habe damals gleich gesagt, dass jetzt nicht alles gut ist! Jetzt haben wir ein verrücktes Spiel gegen eine Mannschaft, die einen unglaublichen Lauf hat, verloren. Natürlich müssen wir das nächste Spiel gewinnen, das wissen wir. Danach kommt ja überhaupt die „Woche der Wahrheit“ mit dem Derby, der Cup-Partie gegen Ried und gegen Sturm. Dann werden wir endgültig wissen, wohin die Reise heuer geht.
Interview vom 06.10.2011
Egal, ob es sich um Mitglieder des Betreuerstabs, des Spielerkaders, der Vereinsführung oder um Vertreter der Fanszene handelt – etwa zwei Tage vor dem nächsten Spiel steht einer von ihnen Forza Rapid Rede und Antwort, um aktuelle Fragen zu beantworten und erhellende Einblicke in den Mikrokosmos Rapid zu gewähren.
(grela)
| 1. | Red Bull | 36 | 60:30 | 68 |
| 2. | RAPID | 36 | 52:30 | 62 |
| 3. | Admira | 36 | 59:52 | 55 |
| 4. | Austria | 36 | 52:44 | 54 |
| 5. | Sturm | 36 | 47:41 | 51 |
| 6. | Ried | 36 | 44:38 | 48 |
| 7. | Innsbruck | 36 | 36:45 | 45 |
| 8. | Mattersburg | 36 | 41:43 | 38 |
| 9. | Wr. Neustadt | 36 | 26:51 | 33 |
| 10. | Kapfenberg | 36 | 21:64 | 23 |
| 1. | Horn | 27 | 61:17 | 60 |
| 2. | RAPID (A) | 27 | 51:24 | 53 |
| 3. | Parndorf | 27 | 43:34 | 44 |
| 4. | Austria (A) | 27 | 55:35 | 43 |
| 5. | Sportklub | 27 | 46:43 | 43 |
| 6. | Stegersbach | 27 | 49:46 | 37 |
| 7. | Schwechat | 27 | 38:36 | 36 |
| 8. | Amstetten | 27 | 38:48 | 35 |
| 9. | Ritzing | 27 | 31:46 | 35 |
| 10. | Mattersburg (A) | 27 | 43:46 | 34 |
| 11. | Admira (A) | 27 | 36:53 | 34 |
| 12. | Neusiedl | 27 | 44:49 | 33 |
| 13. | FAC | 27 | 28:27 | 31 |
| 14. | Sollenau | 27 | 60:63 | 31 |
| 15. | Simmering | 27 | 36:46 | 31 |
| 16. | Columbia | 27 | 27:73 | 15 |

