Am 14. Dezember 2011 konnte Rapid endlich auch in dieser Kategorie mit den europäischen Großklubs gleichziehen und eröffnete das so genannte RAPIDEUM feierlich unter Anwesenheit der beiden Kuratoren Domenico Jacono und Thorsten Leitgeb, als auch einiger Legenden, unter anderem Jahrhundert-Rapidler Hans Krankl.
Schon beim Außenanblick des Rapideums bleibt wohl jedem Grünweißen vor lauter Stolz der Atem weg! Wo sich früher unterhalb der Südtribüne der Fanshop befand, wurde innerhalb der letzten beiden Jahre ein auf knapp 100 Quadratmeter limitiertes Schmuckstuck erdacht und umgesetzt. Alleine die mächtige Statue von „Mister Rapid“ Dionys Schönecker am Vorplatz des Museums erinnert an die große Tradition unserer Rapid, wie auch zum Beispiel in London die Sir-Bobby-Moore-Statue im Wembley-Stadium.
Sowohl das Innen- , als auch das Außenleben des alten Fanshops sind kaum wiederzuerkennen. Man merkt schon nach wenigen Schritten, mit wieviel Liebe zum Detail hier gearbeitet wurde. Durch Glasscheiben kann man sich bereits von außen anhand etlicher Pokale ein Bild von der glorreichen Geschichte der Hütteldorfer Kanoniere machen.
Das Konzept selbst ist nahezu einzigartig: (Auch) Aus Platzgründen gibt es herausziehbare Laden, wobei jede einzelne Lade einen Teil der langen Geschichte Rapids beschreibt. Sei es etwas über die Zeiten des Nationalsozialismus, die schwarze Ära der Rapid-AG und die argentinischen Transferflops Adrian Czornomaz und Hugo Maradona in den frühen 90er Jahren, den sensationellen Auswärtserfolg gegen Lok Moskau im Jahr 2005 oder die Europa-League-Duelle gegen Aston Villa: Sowohl die schwärzesten, als auch die schönsten Stunden des SCR sind in diesen Laden vorhanden.
Damit auch dem modernen Standard Genüge geleistet wird, wurden Touchscreens eingebaut, auf denen man sehr rares Videomaterial aus der Vergangenheit sehen kann. Allein hier könnte man Stunden verbringen, da man einige Videos am liebsten gleich mehrere Male ansehen würde, beispielsweise von den großen Europacupnächten gegen Dynamo Dresden 1985, Inter Mailand 1990, Feyenoord Rotterdam 1996 oder Partizan Belgrad 2001.
Neben Videoaufnahmen sind zu den großen Europacupspielen aus vergangenen Zeiten auch ein Wimpel und Schuhe von „Büffel“ Christian Stumpf vom legendären 4:0 gegen Sporting Lissabon ausgestellt.
Auch Trikots, die mit den Europacup-Schlachten gegen Celtic Glasgow im Jahr 1984 verbunden sind, sind vorhanden. Zum einen das rote Trikot (von Michael Keller), mit dem Rapid durch ein Pacult-Tor das Wiederholungsspiel in Manchester 1:0 gewann (die Farbe wurde gewählt, weil man sich so die Unterstützung der Manchester-United-Fans erhoffte!), zum anderen ein durch einen Trikottausch vorhandenes Celtic-Trikot – ironischerweise eine Leihgabe von Rudi Weinhofer, durch dessen Kopf-Platzwunde, ausgelöst durch einen angeblichen Whiskeyflaschen-Wurf, überhaupt erst die Wiederholungspartie zustande kam!
Zum vielleicht wichtigsten (und leider auch oft vergessenen!) Freundschaftsspiel in der Geschichte Rapids vom Pfingstsonntag 1953, dem 6:1 gegen Arsenal London gibt es ebenso Material, wie zum sensationellen Aufstieg gegen Real Madrid im Meisterpokal 1968. Beide Ereignisse dürfen eine ganze Vitrine ihr Eigen nennen.
Um die ganzen Erfolge auch wirklich in materialistischer Form „fassbar“ machen zu können, wurden einige – zum Teil auch nachgebildete – Pokale im Rapideum ausgestellt. Die Schmuckstücke unter den Trophäen sind mit Sicherheit der Mitropacup (Vorgänger des UEFA-Pokals), den Rapid 1930 gegen Sparta Prag gewann, und eine Replika-Version des Viktoria-Pokals, der in einjähriger Arbeit detailgetreu reproduziert wurde und an den deutschen Pokalsieg 1941 erinnert.
Der Zentropapokal, der ausschließlich im Jahre 1951 vergeben wurde und kurioserweise vom Unterrichtsministerium gestiftet wurde, stellt eine der ersten fußballerischen Trophäen der Nachkriegszeit dar. Ein weiteres Prunkstück ist der alte, silberne ÖFB-Pokal, welcher vom ÖFB als Leihgabe zur Verfügung gestellt wurde und von 1919 bis 1985 an die österreichischen Cupsieger vergeben wurde. In den letzten drei Jahren (1983-1985) gewann jeweils Rapid diesen Pokal. Hoffentlich kann man in naher Zukunft auch den aktuellen Pokal zumindest für ein Jahr erobern...
Und was wäre ein Rekordmeister ohne einer entsprechenden Würdigung im vereinseigenen Museum? Neben dem Meisterpokal aus dem Jahr 1913 (die Schale gab es erst später) sind auch Meistermedaillen von Ehrenkapitän Heribert Weber aus den 80er-Jahren und von Markus Katzer aus den letzten beiden Meisterjahren vorhanden, um die langjährige Tradition und Geschichte des wichtigsten nationalen Titels zu unterstreichen. Zusätzlich finden auch Schuhe von Steffen Hofmann aus den Meisterjahren 2005 und 2008, mit den Namen seiner beiden Töchter, Platz in dieser Vitrine. Wer weiß, vielleicht kommt ja im Sommer 2012 ein neuer Schuh hinzu!
Was für mich, speziell als Fan der jüngeren Generation, sehr interessant war, sind die beiden in der Mitte des Museums platzierten Ausstellungsstücke rund um die Pfarrwiese, der Heimstätte Rapids bis zum Jahre 1978. Neben einer originalen Sitzbank der Pfarrwiese, welche freundlicherweise für das Museum zur Verfügung gestellt wurde, steht ein maßstabgetreu (1:140) nachgebautes Modell der Pfarrwiese im Zentrum des Museums. Schade, dass von dieser legendären Spielstätte nichts mehr übrig blieb und sie das gleiche Schicksal mit vielen anderen ehemaligen Spielstätten in Wien teilen muss.
Einer der legendärsten Spieler, der die Aura der Pfarrwiese viele Jahre prägte, hat ebenfalls eine sehr interessante Lade im Rapideum: „Wödmasta“ Ernst Happel. Neben einem Aschenbecher, den er im Zuge des Weltpokalfinales 1970 als Trainer von Feyenoord Rotterdam bekam, befinden sich auch noch ein Ausweis von der WM 1978, eine taktische Anweisung und eine Packung „Belga“-Zigaretten, eine Leihgabe seiner Enkelkinder, in der Sammlung.
Das Ebenbild eines Rapidlers, der bei den Gegnern Rapids auf beiden legendären Hütteldorfer Spielstätten Angst und Schrecken verbreitete, hat alleine aufgrund seines Status einen Ehrenplatz: Jahrhundert-Rapidler Hans Krankl. Im Mittelpunkt steht die Trophäe für den „Rapidler des Jahrhunderts“, welche im Rahmen des 100-Jahre-Turniers 1999 im Ernst-Happel-Stadion nach einer Fanwahl ausgehändigt wurde. Ebenso sind ein „Spieler des Jahres 1981“-Wimpel, Schuhe, ein Trikot und eine Cupsieger-Medaille der Saison 1982/83 vorzufinden.
Dass es auch schon grünweiße Schützenfeste vor den Hütteldorfer Zeiten gab, beweisen Informationen über die ersten beiden Spielstätten Rapids, namentlich den Exerzierplatz auf der Schmelz und den nahegelegenen Rudolfsheimer Sportplatz.
Eine alte Karte der Schmelz zeigt die unglaubliche Breite an Vereinen, die allesamt zu den Anfangszeiten, als der Wiener Fußball salonfähig wurde, in dieser Umgebung ansässig waren. Einige wenige Plätze auf dieser Karte, wie der Helfort-Platz, existieren auch noch heute.
Auf selbiger Karte findet sich auch der Rudolfsheimer Sportplatz, wo Rapid von 1903 bis 1910 seine Heimspiele austrug. Wenn man dann anhand dieses Ausschnittes auch noch in Erfahrung bringt, dass die Wohnung von „Mr. Rapid“ Dionys Schönecker und das Rapid-Clubcafé in der selben Gasse lagen, wie der aktuelle Wohnsitz des Autors dieses Berichts, betrachtet man diese geschichtsträchtige Sammlung mit noch mehr „Stolz“!
Leider ist auch vom Rudolfsheimer Sportplatz quasi nichts mehr übrig geblieben. Auf dem Areal der ehemaligen Spielstätte befinden sich Wohnbauten und Geschäfte, auf einem Teil davon befand sich bis 1995 der Meiselmarkt. Einzig die angrenzende Rudolfsheimer Pfarrkirche, die schon damals über das Gebiet ragte, ist heute noch vorhanden.
Eben erwähnter „Mr. Rapid“ ist neben der Statue außerhalb des Museums auch drinnen selbstverständlich vertreten. Neben einer goldenen Taschenuhr befinden sich auch Fotos und die Todesanzeige des viel zu früh verstorbenen Dionys Schönecker in dieser zeitgeschichtlichen Sammlung wieder.
Um die Umstände zu Zeiten des Nationalsozialismus nicht zu vergessen, wurde eine Lade konstruiert, die Dokumente aus den damaligen Zeiten enthält. Diese Lade stellt ein Unikat im gesamtem Museum dar: Es ist die einzige, die sich nicht schließen lässt. Nicht grundlos wurde besagte Lade mit dem Text „Niemals vergessen!“ gekennzeichnet. Alleine an diesem Beispiel kann man erneut erkennen, wie tiefgründig die Planungen der Kuratoren für die Reise in die Geschichte Rapids waren!
„Wandle das grün und weiße Band entlang, das alle Rapidler gestern wie HEUTE vereint“ – ein Zitat, welches gleich beim Eingang des Rapideums und zu Beginn dieses Artikels zu lesen ist. Damit man diesem Spruch auch gerecht wird, finden sich auch Anekdoten von Erfolgen jüngerer Tage im Rapideum ein.
Verdiente Rapidler wie Michael Konsel, der wie einige andere Legenden eine eigene Vitrine besitzt, sind genauso vertreten, wie Peter Schöttel, Antonin Panenka oder Andreas Herzog.
Als wertvollster Spieler der letzten Dekade kommt der bereits erwähnte Kapitän Steffen Hofmann zu seiner verdienten Würdigung. Sein Trikot vom vielleicht wichtigsten Sieg der letzten Jahre, dem 7:0 gegen Red Bull Salzburg am Ostersonntag 2008, ist hinter Glas zu finden. Ebenfalls ausgestellt ist ein Auswärtstrikot aus der Saison 2004/05. Umgeben von den Dressen strahlt der Titel des Torschützenkönigs 2009/10 hervor, den der Deutsche als erster Mittelfeldspieler überhaupt gewann.
Weitere Anekdoten aus dieser Zeit sind die Maske des nunmehrigen Salzburg-Spielers Stefan Maierhofer, der nach einem Nasenbeinbruch die Austria mit einem Doppelpack als „Phantom von Hütteldorf“ punteklos nach Favoriten zurückschoss, und ein Trikot von Ümit Korkmaz aus der Meistersaison 2008, das gleichzeitig für die Gründungsfarben rot/blau sowie als positives Beispiel für einen Spieler mit Migrationshintergrund steht.
Doch nicht nur die grünweißen Legenden „vom Feld“ haben ihren Platz im Museum gefunden, auch die über die Grenzen Hütteldorfs/Österreichs bekannte Fanszene Rapids nimmt einen großen Platz im Rapideum ein, von der Terrorszene bis hin zu den Ultras. Weitere besondere Schmuckstücke sind ein mit Aufnähern übersätes Jeans-Gilet (mit absoluten Raritäten); ein Megaphon in den Vereinsfarben, welches nach dem legendären 1:0-Auswärtssieg gegen Lokomotive Moskau in der CL-Quali 2005 nicht mehr zum Einsatz kam etc. Als Symbol der jahrelangen Verbundenheit zwischen Fans und Spielern steht die Kapitänsschleife Steffen Hofmanns mit dem Block-West-Schriftzug, welche der Kapitän seit Ende der vergangenen Saison leider nicht mehr trägt.
Quasi als Abschluss dieser Reise durch die grünweiße Vergangenheit möchte ich hier noch gerne zwei Zitate von großen Persönlichkeiten der Fanszene Rapids wiedergeben, die sich nach diesem Besuch sehr stark in meinem Gedächtnis einprägten und die ich den Forza-Rapid-LeserInnen nicht weiter vorenthalten möchte:
„I zoi mein Kirchenbeitrog bei da Rapid ei!“ – „Rapid-Charly“ Finding
„I bin scho am Rapid-Plotz gaungan, wia mei Muatta mit mia no schwaunga woa.“ – Paula Neiss, geb. 1923
Beim Verlassen des Museums kommt man dann noch unverweigerlich an einer Glasscheibe vorbei, hinter der sich nichts befindet. Sie steht als Platzhalter für den größten unser aller Träume: „DER TELLER GEHÖRT NACH HÜTTELDORF!“
Fazit: Auch wenn die „Mission 33“ aufgrund der Ausgangslage nicht unrealistisch scheint, empfehle ich schon vorher einen Besuch im Rapideum! Nach jahrelanger Planung findet man hier eine herrliche Ansammlung an Trophäen und Anekdoten aus der Geschichte Rapids, die sich kein echter Grünweißer bzw. Rotblauer entgehen lassen sollte!
Wenn man bedenkt, dass dies erst der Anfang ist und noch viele weitere Exemplare auf ihre Ausstellung im Rapideum warten, kann man nur gespannt darauf sein, was man in den Folgejahren noch zu sehen bekommt. Denn eine Erweiterung des Rapideums ist in den Sanierungs- und Vergrößerungsplänen für das Hanappi-Stadion hoffentlich ganz selbstverständlich inbegriffen.
Das Rapideum ist nicht nur für deutschsprachige Besucher geeignet, weil jeder Text auch auf Englisch vorhanden ist und Sprachbarrieren aus diesem Grund wegfallen. Als weiteres Special gibt es jeden ersten Freitag im Monat eine Führung durch einen der beiden Museumskuratoren bzw. einer Vereinslegende, was wohl auch eher einzigartig ist. All diese aufgezählten Gründe sollten für jeden echten Rapidler Anlass genug für einen Besuch dieser geschichtsträchtigen Stätte sein!
(jusch)
Rund um Rapid und den Fußball im Allgemeinen gibt es eine riesige Menge an brandaktuellen und zeitlosen Themen, die in der wöchentlichen Topstory aufgearbeitet und präsentiert werden. Um den Geschmack meiner Leserschaft besser treffen zu können, bitte ich um Vorschläge und Hinweise, die mir die Auswahl der „richtigen“ Sujets erleichtern. Ich hoffe darauf, dass diese Geschichten ein paar dunkle Stellen aufhellen können.
(grela)
| 1. | RAPID | 21 | 30:19 | 34 |
| 2. | Austria | 21 | 36:30 | 32 |
| 3. | Ried | 21 | 30:24 | 32 |
| 4. | Red Bull | 20 | 32:20 | 31 |
| 5. | Sturm | 21 | 34:28 | 31 |
| 6. | Admira | 20 | 31:30 | 28 |
| 7. | Innsbruck | 20 | 22:25 | 27 |
| 8. | Wr. Neustadt | 20 | 17:27 | 23 |
| 9. | Mattersburg | 21 | 26:28 | 20 |
| 10. | Kapfenberg | 19 | 13:40 | 10 |
| 1. | Horn | 15 | 39:13 | 31 |
| 2. | Parndorf | 15 | 28:16 | 28 |
| 3. | RAPID (A) | 15 | 25:14 | 27 |
| 4. | Schwechat | 15 | 26:17 | 26 |
| 5. | Simmering | 15 | 30:22 | 26 |
| 6. | Sportklub | 15 | 30:24 | 26 |
| 7. | Admira (A) | 15 | 21:24 | 24 |
| 8. | Sollenau | 15 | 37:36 | 22 |
| 9. | Austria (A) | 15 | 31:22 | 20 |
| 10. | Amstetten | 15 | 17:24 | 19 |
| 11. | Ritzing | 15 | 18:32 | 19 |
| 12. | Stegersbach | 15 | 26:30 | 18 |
| 13. | Mattersburg (A) | 15 | 20:25 | 17 |
| 14. | FAC | 15 | 13:19 | 13 |
| 15. | Neusiedl | 15 | 19:30 | 13 |
| 16. | Columbia | 15 | 16:48 | 7 |

