Im Spitzenspiel der 22. Runde veränderte Peter Schöttel seine Mannschaft nach dem dürftigen Derby-Auftritt nur an einer Position, und das gezwungenermaßen: Christian Thonhofer ersetzte den gelbgesperrten Michael Schimpelsberger.
In der UPC-Arena hatte Rapid zuletzt im auslaufenden Jelavic-Zeitalter vor eineinhalb Jahren gewonnen. Diesmal sollte es wieder gelingen. Fehlende Fan-Unterstützung konnte am Samstagabend nicht als Ausrede herhalten, denn die gut 1.000 mitgereisten Rapid-Supporter boten eine Unterstützung wie in alten Zeiten.
Die Grünweißen starteten hochmotiviert in die Partie, mussten aber vorerst eine Eckball-Serie von Sturm überstehen, bevor sie nach etwa fünf Minuten das Kommando übernahmen.
In der 15. Minute die erste wirklich gefährliche Rapid-Aktion: Steffen Hofmann flankte gefühlvoll in den Strafraum der Blackies, wo sich Christopher Trimmel das Leder mit der Brust mitnahm, aber im Zweikampf mit Ex-Rapidler Thomas Burgstaller viel zu leicht zu Fall kam – kein Elfer.
In Minute 21 setzte sich Guido Burgstaller nach Thonhofer-Einwurf schön gegen seinen Namensvetter durch und schoss aus der Drehung auf das kurze Eck, das von Sturm-Goalie Cavlina gut abgedeckt wurde.
Der SCR wirkte sehr bemüht, machte sich aber die eine oder andere Offensiv-Anstrengung mit teils grausigen technischen Fehlern zunichte. Und so sorgte ein neuer Freistoß-Trick aus dem Fundus von Co-Trainer Thomas Hickersberger für den nächsten Toralarm: Hofmann spielte zentral auf Sonnleitner, der den Ball auf den sich rechts freigelaufenen Thonhofer weiterleitete, der sich wiederum mit einem Haken nach innen in Schussposition brachte und mit seinem zu zentralen Versuch an Cavlina scheiterte (25.). Es war der richtige Zeitpunkt, um sich zu fragen: Was muss denn noch passieren, damit Rapid endlich wieder eine Standardsituation verwertet? Eines ist klar – viel fehlt nicht mehr...
Zwei Minuten später blockte Sturms Burgstaller eine Flanke mit seinem Oberarm. Bei pingeliger Regelauslegung hätte man in dieser Situation auch einen Elfer pfeifen können. Wenn ich mich an Rapids Auswärtsspiel in der Südstadt zurückerinnere. Referee Markus Hameter war aber nicht wirklich ein Vorwurf zu machen – er war an diesem Abend ein korrekter Spielleiter.
Nach über einer halben Stunde machten sich die Hausherren offensiv erstmals richtig bemerkbar, und zwar – wie es zum passiven Auftritt der Foda-Mannschaft passte – mit einem Konter: Weber fing einen schlechten Pass von Harald Pichler ab, via Wolf und Szabics landete der Ball wieder bei Weber, der sich das Spielgerät aber nicht gut mitnehmen konnte und es so zu einer leichten Beute für Lukas Königshofer werden ließ (34.).
Bis zur Pause gab es noch eine gefährliche Torszene, initiiert von Christopher Drazan, dessen Freistoß vorerst abgeblockt und dann von Pichler aus ca. 17. Metern volley übernommen wurde. Der gut angetragene Schuss des Innenverteidigers wurde noch abgelenkt. Statt dem ersten Bundesligator für den Kärntner gab es einen Eckball, der nichts einbrachte.
Auch wenn im Rapid-Spiel nicht alles grün war – Sturm konnte von Glück sprechen, ohne Gegentreffer in die Kabine zu kommen.
In der zweiten Hälfte war es vorbei mit der Einseitigkeit, weil der bis dahin peinlich agierende Meister Sturm seinem zahlenden Publikum endlich etwas bieten wollte.
In der 52. Minute jagte Bodul einen abgeblockten Säumel-Freistoß aus knapp 16 Metern in die Wolken. Das hat der Führende der Torschützenliste bereits besser gemacht, wenn wir an unser letztes Heimspiel gegen die Steirer denken...
Sturm war vorerst präsenter, aber bald besann sich Rapid wieder darauf, seine Torsperre brechen zu wollen. Es war kein hochklassiges Spiel, das sich vor den Augen von Teamchef Marcel Koller entwickelte, aber immerhin stimmten Tempo und Spannung.
Nach einem Eckball von Rapid und darauffolgenden Schuss von Thonhofer klingelte es im Sturm-Kasten, allerdings stand Sonnleitner, der den Weitschuss zum „erfolgreichen“ Katzer weiterleitete, einen Hauch im Abseits.
Auf der anderen Seite fiel Sturm vor allem durch eine Unsportlichkeit auf: Patrick Wolf erlitt bei einem Strafraumduell einen Schwächeanfall und kassierte für diese Schwalbe eine gelbe Karte. Auf korrektem Wege probierte es Kainz, dessen Schuss Königshofer im Nachfassen unschädlich machen konnte (59.). Es war eine von zwei kleinen Unsicherheiten des Rapid-Schlussmanns.
In der 71. Minute wurde Rubin Okotie für Szabics eingetauscht. Im Austria-Dress hatte der Stürmer drei Tore gegen Rapid erzielt. Sein Angriffspartner Bodul hätte sein Torkonto versus Rapid beinahe auch auf drei Treffer aufgestockt – nach einer Kainz-Flanke kam der gebürtige Bosnier in aussichtsreicher Position zum Schuss, scheiterte aber an Königshofer (73.).
Kurz nach Beginn der Rapid-Viertelstunde war es dann der eingewechselte Atdhe Nuhiu, der sich beinahe wieder als erfolgreicher Joker hervorgetan hätte (im vergangenen Oktober erzielte „Nutschi“ knapp nach seiner Einwechslung einen Doppelpack gegen Sturm): Zuerst leitete Rapids bester Liga-Schütze einen Konter herrlich ein – Hofmanns Kopfball nach Burgstaller-Flanke hätte zwar vielleicht gepasst, wurde aber noch abgeblockt (76.). Dann leitete „Mecky“ Katzer einen Drazan-Eckball per Kopf zu „Nutschi“, der überrascht wirkte und den Ball, alleine vor Cavlina am Fünfer stehend, nur mehr ins Torout lenken konnte.
Die Rapid-Anhänger animierte der Vorwärtsdrang ihrer Mannschaft zur wahrscheinlich lautstärksten und immer wieder mit Bengalen unterstützten Performance seit dem Platzsturm im vergangenen Mai. In der 79. Minute erreichte die Ausgelassenheit des Auswärtsmobs ihren Höhepunkt – die UPC-Arena bebte, als ob Rapid mit 3:0 in Führung gelegen wäre!
Eine Riesenchance auf den Sieg hatten die Hütteldorfer noch: In Minute 83 erwischte Nuhiu eine Burgstaller-Flanke nicht gut genug, der aufsetzende Ball war aber auch extrem schwer zu nehmen. Schade, es wäre ein verdienter Schlusspunkt gewesen, hätte unser sympathischer Angriffsriese doch noch getroffen.
Peter Schöttel war nach dem zwölften Ligaspiel ohne Niederlage nicht unzufrieden, forderte aber einen Torerfolg in der nächsten Woche gegen Ried ein. Das wird auch notwendig sein, um die Tabellenspitze weiter erfolgreich zu verteidigen und einen kleinen Punktepolster herauszuarbeiten. Denn der Tabellen-Siebente, Wacker Innsbruck, liegt – nach Verlustpunkten gerechnet – nur vier Zähler hinter Liga-Primus Rapid...

Ladehemmung
Die Offensive beginnt in der Defensive. Lukas Königshofer weiß das und leitet mit seinen weiten und präzisen Einwürfen immer wieder gefährliche Konter ein.
Die momentan gesetzten Innenverteidiger Mario Sonnleitner und Harald Pichler sind im Aufbauspiel momentan leider eine Fehlbesetzung. Immerhin kann man ihnen den Willen, sich auch vorne am Spiel zu beteiligen, nicht absprechen: „Sonni“ glänzte zweimal als Beinahe-Assistgeber und „Harry“ packte gegen Ende der ersten Halbzeit einen Volleyhammer aus.
Das Zusammenspiel der Außenverteidiger mit ihren Vorderleuten, wie von Trainer Peter Schöttel gewollt und forciert, ist aktuell keine Augenweide. Aber vorne sorgten sie immerhin für Gefahr – Thonhofer als Fast-Vollstrecker eines Freistoßtricks und mit zwei Weitschuss-versuchen, „Mecky“ mit einem Abseitstreffer und tollen Assist auf Nuhiu.
Die zentralen Mittelfeldspieler bereiten mir einige Sorgenfalten. Von „Mika“ Heikkinen erwarte ich mir nur im Ausnahmefall einen Scorer-Punkt, aber seine Fehlpässe im Spielaufbau werden schön langsam untragbar, auch für die Defensive, die er mit seinen Schlampigkeiten in Brand setzt. Thomas Pragers Umgang mit der Wuchtel ist oft ein Genuss, aber dass ein technisch versierter und offensivstarker Mann wie er zuletzt beim Auswärtsspiel in Ried zu einer Tormöglichkeit gekommen ist, darf einfach nicht sein.
An guten Tagen ist die „Christopher-Flügelzange“ tödlich, dann funktioniert auch das Seitenwechseln, werden Vorlagen geliefert und Abschlüsse gesucht. An schlechten Tagen ist das alles nicht der Fall, fehlen Durchsetzungsvermögen und ein vernünftiges Zusammenspiel mit den Kollegen.
„Freigeist“ Steffen Hofmann hat momentan Pech, ansonsten hätte er 2012 bereits dreimal getroffen. Und Guido Burgstaller ist manchmal einfach nur genial, manchmal zu ballverliebt und/oder defensiv. Und von Atdhe Nuhiu kann man auch nicht verlangen, dass er ins Spiel kommt und immer trifft.
Mir persönlich gefällt das System, mit dem Rapid spielt, auch wenn es in den seltensten Fällen „unfallfrei“ daherkommt. Alle Beteiligten bemühen sich, den gemeinsamen Spielwitz zu finden, verkrampfen dabei aber offensichtlich. Die Lösung kenne ich natürlich auch nicht. Psychologie? Marihuana? Was könnte die Lockerheit vor dem gegnerischen Kasten bringen?! Am besten ein Torerfolg. Und wenn es die Längstribünen den wiedererstarkten Hintertor-Kurven gleich machen, blasen wir unsere Spieler gegen Ried einfach gemeinsam mit dem Ball ins Tor. Hauptsache drinnen!
RAPIDLER DES SPIELS:
Steffen Hofmann
Der Kapitän ist sicher noch nicht in Hochform, aber im Rapid-Spiel nach wie vor unverzichtbar. In der Offensive garantiert unsere Nummer 11 eine Präzision, die seinen Mitspielern oft fremd ist. In Graz agierte Steffen als Antreiber, Einfädler und mit ein wenig Glück wäre ihm sogar einer seiner wenigen Kopfballtreffer gelungen. Bei seiner Auswechslung knapp vor dem Schlusspfiff war der Würzburger noch voll geladen, trat gegen die Ersatzbank und Wolfi Freys Behandlungs-Utensilien. Man darf diesen „Ausraster“ ruhig als Indiz für Hofmanns lodernden Ehrgeiz anführen. Ein Winner gewinnt eben gerne, ihn macht eine Unentschieden-Serie nicht glücklich. Oder war Steffen gar wütend, weil er in dieser Saison zum elften Mal , so oft wie noch nie, ausgewechselt wurde? Egal. Emotionen unseres Topspielers sind wertvoll – so oder so!
(grela)
MEISTERSCHAFT 2011/2012, 22. RUNDE
SK Puntigamer Sturm Graz – SK RAPID WIEN 0:0
UPC-Arena, 14.251 Zuschauer, SR Hameter
Sturm (4-4-2): Cavlina – Standfest, Feldhofer, T. Burgstaller, Popkhadze – P. Wolf (79. Ehrenreich), Weber, Säumel, Kainz – Szabics (71. Okotie), Bodul (94. Haas)
Ersatzbank: Gratzei, Neuhold, Koch, Kröpfl
Trainer: Franco Foda
SK RAPID WIEN (4-2-3-1): Königshofer – Thonhofer, Sonnleitner, Pichler, Katzer – Heikkinen, Prager (60. Kulovits) – Trimmel (69. Nuhiu), Hofmann (89. Alar), Drazan – Burgstaller
Ersatzbank: Payer, Patocka, Soma, Prokopic
Trainer: Peter Schöttel
Gelbe Karten: Popkhadze (40. Foul), Feldhofer (43. Foul), Kainz (49. Foul), Wolf (68. Unsportlichkeit); Prager (51. Foul), Pichler (84. Foul), Thonhofer (92. Foul)
Wichtige Vorkommnisse:
Rapid startet im gewohnten 4-2-3-1, Thonhofer ersetzt den gelbgesperrten Schimpelsberger
21‘ Burgstaller scheitert an Cavlina
25‘ ein herrlicher Rapid-Freistoßtrick, aber auch für Thonhofer ist Cavlina die Endstation
34‘ Weber legt sich den Ball bei einem gefährlichen Konter zu weit vor
52‘ Bodul jagt den Ball aus aussichtsreicher Position in die Wolken
ca. 55‘ ein Tor von Katzer wird wegen Abseits nicht gegeben
69‘ Nuhiu kommt für Trimmel, Burgstaller wechselt auf die rechte Flanke
73‘ Bodul scheitert mit der besten Sturm-Chance an Königshofer
76‘ Hofmanns Kopfball nach einem schönen Spielzug wird gerade noch abgeblockt
ca. 78‘ Nuhiu kommt nach einem Corner am Fünfer alleinstehend zum Ball, kann ihn aber nicht kontrollieren
83‘ Nuhiu rutscht in eine Flanke, kann den (aufsetztenden) Ball aber abermals nicht kontrollieren
89‘ Alar ersetzt Hofmann, Rapid spielt die Partie im 4-4-2 zu Ende
STATISTIK:
Ballbesitz: 49%/51%
Torschüsse: 9/20
Eckbälle: 8/17
Fouls: 17/18
Abseits: 1/6
SPIELERBEWERTUNGEN:
Kurier
Königshofer (3) – Thonhofer (3), Sonnleitner (2), Pichler (2), Katzer (3) – Heikkinen (3), Prager (2) (60. Kulovits, 3) – Trimmel (3) (69. Nuhiu, 3), Hofmann (2) (89. Alar, 0), Drazan (3) – Burgstaller (2)
Kronen Zeitung
Königshofer (3) – Thonhofer (4), Sonnleitner (3), Pichler (3), Katzer (4) – Heikkinen (2), Prager (3) (60. Kulovits, 0) – Trimmel (3) (69. Nuhiu, 0), Hofmann (3) (89. Alar, 0), Drazan (2) – Burgstaller (3)
NÄCHSTES SPIEL:
Meisterschaft 2011/12, 23. RUNDE
SK RAPID WIEN vs SV Josko Ried (Samstag, 03.03.2012, 16:00)
| 1. | Red Bull | 36 | 60:30 | 68 |
| 2. | RAPID | 36 | 52:30 | 62 |
| 3. | Admira | 36 | 59:52 | 55 |
| 4. | Austria | 36 | 52:44 | 54 |
| 5. | Sturm | 36 | 47:41 | 51 |
| 6. | Ried | 36 | 44:38 | 48 |
| 7. | Innsbruck | 36 | 36:45 | 45 |
| 8. | Mattersburg | 36 | 41:43 | 38 |
| 9. | Wr. Neustadt | 36 | 26:51 | 33 |
| 10. | Kapfenberg | 36 | 21:64 | 23 |
| 1. | Horn | 27 | 61:17 | 60 |
| 2. | RAPID (A) | 27 | 51:24 | 53 |
| 3. | Parndorf | 27 | 43:34 | 44 |
| 4. | Austria (A) | 27 | 55:35 | 43 |
| 5. | Sportklub | 27 | 46:43 | 43 |
| 6. | Stegersbach | 27 | 49:46 | 37 |
| 7. | Schwechat | 27 | 38:36 | 36 |
| 8. | Amstetten | 27 | 38:48 | 35 |
| 9. | Ritzing | 27 | 31:46 | 35 |
| 10. | Mattersburg (A) | 27 | 43:46 | 34 |
| 11. | Admira (A) | 27 | 36:53 | 34 |
| 12. | Neusiedl | 27 | 44:49 | 33 |
| 13. | FAC | 27 | 28:27 | 31 |
| 14. | Sollenau | 27 | 60:63 | 31 |
| 15. | Simmering | 27 | 36:46 | 31 |
| 16. | Columbia | 27 | 27:73 | 15 |

